Irreführende Werbung mit Abnehmpflastern auf Instagram


Katharina Brand

Kleben statt Spritzen – und das für 16 Euro pro Monat. Gibt es auch im Abo.Screenshot kindpatches.com

„Tschüss Nebenwirkungen. Hallo Faux-Zempic“ – an dieser Werbung kommt man aktuell auf Instagram kaum vorbei. Dabei ist es nur einer der Werbeslogans des Unternehmens kind.patches, das so die eigenen „GLP-1-Patches“ bewirbt. Das Versprechen: Der „GLP-1-Blend“ soll über das Pflaster in den Körper aufgenommen werden und beim Abnehmen helfen. User:innen konfrontieren das Unternehmen mit ihrem Werbeslogan – und bekommen eine öffentliche Antwort.

GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) sind nach wie vor sehr gefragt: Sie werden nicht nur zu horrenden Preisen auf Internetplattformen verkauft, auch Rezeptfälscher:innen probieren nach wie vor in Vor-Ort-Apotheken ihr Glück. Nach dem Motto „Peel – Stick – Enjoy“ möchte das Unternehmen kind.patches ebenfalls vom Hype profitieren. Auf Instagram bewirbt es die kreisrunden Wirkstoffpflaster in verschiedenen Ausführungen und Farben: rote für Periodenschmerzen, blaue zum Schlafen, gelbe für mehr Energie und pinke zum Abnehmen.

Alle acht Stunden sollen Anwender:innen ihr Pflaster „für optimale Ergebnisse“ wechseln, „für eine maximale Wirkung tragen Sie es jeden Tag“, so die Empfehlung des Unternehmens. Mit 16 Euro für eine Packung mit 30 Stück kann das schnell ins Geld gehen. Laut Website sind die Pflaster aktuell jedoch ausverkauft.

GLP-1-Vorteile versprochen

Bei Laien kann der Eindruck entstehen, dass sie durch die Pflaster Geld sparen können, schließlich sind diese wesentlich preiswerter als Ozempic, Mounjaro & Co.: „Abnehmen leicht gemacht. Wechsle zu den Pflastern, um von den GLP-1-Vorteilen zu profitieren!“, heißt es in einer der Werbeanzeigen. Dass kein echtes GLP-1-Ra enthalten ist, erfahren Verbraucher:innen erst nach genauerem Blick auf die Website von kind.patches.

Als Hauptinhaltsstoff wird der ‚Kind GLP-1 Blend‘ genannt, eine Mischung aus Berberin-, Granatapfel- und Zimt-Extrakt. Im Kleingedruckten weist kind.patches darauf hin, dass das Produkt nicht zur Diagnose, Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt ist: „Die Aussagen zu diesem Produkt wurden von der FDA oder anderen gleichwertigen Behörden nicht bewertet. GLP-1-Pflaster enthalten kein synthetisches GLP-1 und sind kein GLP-1-Agonist.“

(Bild: Screenshot Instagram)

kind.patches wirbt dennoch mit großen Heilversprechen. Nach einem Monat soll die Nahrungsaufnahme um 47,5 Prozent sinken, basierend auf einer nicht näher benannten Studie mit Berberin. Nach zwei Monaten sollen die GLP-1-Werte steigen, und nach drei Monaten eine gesunde Gewichtsreduktion sowie eine Reduktion von viszeralem Fett sowie Hüft- und Taillenumfang erreicht werden.

Werbeslogan “Faux-Zempic” bestätigt Fälschung

Dass es sich bei dem Produkt um einen Blender handeln könnte, lässt sich auch aus einem der Werbeslogans ableiten. Der Begriff „Faux-Zempic“ bezeichnet gefälschte oder nachgeahmte Versionen von Ozempic, die über nicht autorisierte Quellen angeboten werden – ein Begriff, der sich insbesondere in den USA durchgesetzt hat. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat vor genau solchen gefälschten Produkten gewarnt, da sie mit Gesundheitsrisiken wie Infektionen verbunden sein können. Diese nachgeahmten Versionen wurden bereits in Apotheken, medizinischen Spas und Kliniken in den USA gefunden.

Das Problem: Verbraucher:innen müssen genau diese Werbung auf Instagram sehen und auch den Zusammenhang erkennen können. In einer neuen Werbeanzeige wirbt Kind.Patches gezielt mit dem Slogan „The Power of Ozempic“. Man müsse nur das Pflaster aufkleben und wirken lassen, so der Werbeclaim.

“Von GLP-1-Funktionalität inspiriert”

Die Kommentare auf Instagram ließen nicht lange auf sich warten. „Irreführend, da diese keine GLP-1-RA sind“, kommentiert eine Userin nüchtern. Das wollte die Firma nicht auf sich sitzen lassen: „Unsere Gewichtsunterstützungspflaster sind von der GLP-1-Funktionalität inspiriert und enthalten eine Mischung aus natürlichen Inhaltsstoffen, die das Gleichgewicht und das Wohlbefinden fördern. Sie unterstützen die natürlichen Stoffwechselprozesse und die Appetitregulierung des Körpers mithilfe einer Kombination natürlicher Inhaltsstoffe“, erklärt kind.patches. „Wir legen Wert auf Transparenz und stellen klar, dass unsere Pflaster keine Medikamente sind, sondern unterstützende Wellness-Produkte. Sie bieten eine nicht-invasive Option für alle, die ihre Appetit- und Gewichtskontrolle im Rahmen eines gesunden Lebensstils unterstützen möchten.“

Mit ihrer eigenen Quintessenz antwortete darauf eine weitere Userin: „Ihr legt die Leute rein! Sie lesen nur GLP-1, dabei gibt es das nur in Injektionen und Tabletten!“

Zum Unternehmen

Zur Unternehmensstruktur verrät kind.patches seiner Website wenig; ein Impressum fehlt. In den FAQ heißt es lediglich: „Wir sind ein Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich, und unsere Produkte werden in das Vereinigte Königreich, die USA, die gesamte EU und Australien versendet. Kind Patches operiert unter dem Dach von Kindpatches Ltd, unserem Unternehmen mit Sitz in London.“ Die Gründer, CEO Magnus Hjörne aus Schweden, Adam Friberg aus Florenz, Italien, und Gvidas Bagdonavičius aus Litauen, sind nur über das LinkedIn-Profil des Unternehmens bekannt. Als Sitz geben die Gründer jedoch Stockholm an, und auch die Gründungsdaten variieren. Alle drei sind zudem in diversen anderen Branchen tätig.

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