Rx-Versand schadet nicht den Apotheken? Von wegen!


Astrid Janovsky

Aus der Erfahrung in Deutschland spricht vieles gegen den Rx-Versand – nicht nur aus Apothekensicht.TARA24

Der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel in Österreich soll nicht den Bestand der Apotheken gefährden, die Versorgungslage verbessern und gleichzeitig sogar Geld sparen helfen? Ein Blick nach Deutschland offenbart Gegenteiliges.

Letzte Woche veröffentlichte Redcare Pharmacy, Betreiber von Onlineapotheken wie etwa Shopapotheke.at, in Österreich eine Studie zur Versorgungslage durch die öffentlichen Apotheken und dem möglichen (Spolier: positiven) Einfluss von Onlineapotheken. Aussage der Studie: Der Rx-Versand ist für Österreich notwendig, weil die Bevölkerung bald nicht mehr zu ihren Arzneimitteln kommt. Zumindest in ländlichen Regionen.

Zukünftig schlechtere Versorgung?

Jetzt kann man sich natürlich schon einmal fragen, auf welcher Grundlage diese Annahme beruht, denn in den letzten Jahren stieg in Österreich die Zahl der Apotheken kontinuierlich an – im Gegensatz zu Deutschland, wo der Rx-Versand seit 2004 erlaubt ist.

Die zweite erstaunliche Aussage – und hier darf man wieder nach Deutschland schauen: Man erwarte durch den Online-Versand keinen Rückgang der öffentlichen Apotheken. Da würden die deutschen Kolleginnen und Kollegen vehement protestieren! Natürlich hat das seit einigen Jahren immer mehr an Fahrt aufnehmende Apothekensterben mehrere Mütter (und Väter), der Onlineversand ist aber jedenfalls ein treibender Faktor.

Rx-Versand verkompliziert das System

Und noch einen Punkt gilt es bei einem Rx-Versand zu beachten: Das ganze System wird teurer und komplizierter. Auch das hat man in Deutschland schmerzvoll erlebt. Während Österreich schon längst das E-Rezept auf Schiene hatte, war in Deutschland nichts davon zu merken. Einer der Gründe: Man musste ein System finden, in das man auch Versender miteinbeziehen konnte. Es reichte nicht, das Rezept auf der E-card zu speichern. Man bastelte eine komplizierte Cloud-Lösung.

Letztes Jahr wurde der nächste Schritt gesetzt, damit man nicht mehr das digitale Rezept auf Papier(!) mit entsprechendem QR-Code (als Schlüssel zur Cloud) zur Onlineapotheke schicken musste, sondern per NFC-fähigem Handy die Krankenkassenkarte auslesen konnte.

Rosinenklauberei

Dritter Punkt, der in der Studie komplett ausgelassen wurde: Onlineapotheken sind Rx-Rosinenklauber. Abgesehen davon, dass natürlich kein Bereitschaftsdienst geleistet wird, gibt es kein Suchtgift und keine Rezepturen. Wobei auch hier wieder Theorie und Praxis auseinandergehen. DocMorris etwa erklärt offiziell, dass praktisch alle magistralen Verschreibungen angefertigt werden, man behält sich aber Ausnahmen vor. Berichtete Testkäufe von Apotheker:innen (als Privatpersonen) und Kundenrückmeldungen zeigen ein anderes Bild. Rezepte mit Rezepturen finden sich wenige Tage nach Absendung wieder im eigenen Briefkasten – selbst in Fällen, in denen explizit darauf hingewiesen wurde, dass die Salbe erst in drei Wochen benötigt werde.

Nun muss man kein Hellseher sein, um zu erraten, wie die Bevölkerung mit derartigen Situationen umgeht. Genau. Den Blutdrucksenker, für den man vielleicht sogar noch eine Gutschrift oder ein Geschenk bekommt, bestellt man bequem online. Für die Anfertigung von Rezepturen (was übrigens in Deutschland aufgrund der Anforderungen bei der Herstellung ein noch größeres Minusgeschäft ist als in Österreich) geht man dann doch in die Apotheke – und mault, wenn die Salbe erst am übernächsten Tag fertig ist (was in Deutschland durchaus Standard ist – eben wegen des größeren bürokratischen Aufwandes).

Schaut man nach Deutschland, kommen also berechtigte Zweifel auf, ob ein Rx-Versand die Versorgungslage der Bevölkerung wirklich langfristig verbessern würde. Und beim in Aussicht gestellten Einsparungspotential würde das Nachbarland ganz bestimmt auch protestieren. Bleibt zu hoffen, dass die neu Regierung ihre Absicht einhält, keinen Versand von Rx durch Onlineapotheken zu erlauben. Denn nur dann kann man aus deutscher Sicht sagen: Tu felix austria.



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