Minijob Apotheke


Astrid Janovsky

Nur zehn Stunden im Monat arbeiten? Für deutsche Apotheker:innen kein Problem.TARA24

In der österreichischen Apothekenlandschaft ist vieles streng reguliert – und das ist auch gut so. Bei einem Punkt allerdings bin ich mir bezüglich der Sinnhaftigkeit nicht so sicher: Warum darf ich nicht weniger als acht Stunden pro Woche arbeiten?

Wenn wir über Arbeitszeiten von Apothekerinnen und Apothekern sprechen, lassen Sie uns mal kurz nachdenken, welche Sinnhaftigkeit eigentlich das Zehntelsystem hat. Und? Zu welchem Schluss sind Sie gekommen? Ich meine, es ist ein Relikt aus vergangenen (Öffnungs)Zeiten, das jeder aktuellen Anforderung des Arbeitsmarktes entbehrt. Welche Apotheke hat heute noch von 8:00-12:00 und 14:00-18:00 geöffnet?  Warum man an der Zehntellösung fest hält, erschließt sich mir nicht. Man kann doch Umlagen auch für 25 oder 30 Stunden berechnen.

Abgesehen davon, dass man in Deutschland weder bei Apotheker:innen noch PTAs oder PKAs Zehnteldienste kennt, entfällt noch eine weiter Regelung, nämlich das Mindestdienstausmaß von 8 Wochenstunden. Nicht nur, dass es dort möglich ist, in jedem nur irgendwie gewünschten Mini-Dienstausmaß zu arbeiten, ist es auch weit verbreitet. Viele Dienstnehmer:innen gehen einem sogenannten „Minijob“ nach. Diese geringfügige Beschäftigung geht bis zu einem Monatsverdienst von 556 Euro. Dabei sind keine Beiträge für Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung fällig.

Dieser Minijob kann in zwei Versionen erfolgen:

  1. Als einziger Job. Das ist natürlich ein klassischen „Frauending“. Wenn zu Hause die Kinder Betreuung einfordern und diese Samstags vom Vater geleistet wird, darf Mama entweder tanzen gehen – oder in die Apotheke zum Arbeiten. Manche behalten dieses Dienstausmaß bei, auch wenn der Nachwuchs längst mit der Übungsphase zur Produktion des eigenen Fortpflanzes begonnen hat. Es ist natürlich gerade für Geringerverdienerinnen (also PTA und PKA) verlockend, weil eine Erhöhung der Arbeitsleistung durch das Anfallen der Steuern nur zu einem minimalen Anstieg des Nettoverdienstes führt. Natürlich hat das Auswirkungen auf die (Nicht)Pension, aber das wird gerne ausgeblendet.
  2. Als Add-on zum Hauptjob. Diese Variante wird von erstaunlich vielen praktiziert. Und man muss es sagen: Gerade für Pharmazeut:innen, die in Deutschland wesentlich weniger verdienen als in Österreich, ist das nettes Extrageld. Alle zwei Wochen ein Samstag mit acht Stunden in einer anderen Apotheke und man hat am Ende des Monats gut 500 Euro mehr am Konto. Was ebenfalls häufig auftritt: PTA-Lehrer:innen, die in der Apotheke an ihrem freien Tag als Minijobber arbeiten.

In unserem kleinen Pillenstübchen gibt es gleich zwei Apothekerinnen auf Minijob-Basis. Eine Variante, die nicht nur für Arbeitnehmende, sondern auch den Betrieb Vorteile bringt. Die Arbeitskräfte sind verhältnismäßig günstig und oft auch eine gute Notlösung, wenn sonst keiner kann. Randzeiten und Urlaube lassen sich damit meist recht gut abdecken.

Und noch ein Vorteil der Minijobber: Sie stehen mit echter Freude an der Tara. Viele sehen die Arbeit in der Apotheke als Bereicherung und Abwechslung. Und sie bringen häufig durch ihre Erfahrung in anderen Berufen oder Apotheken neue Sichtweisen und Ideen mit. Davon profitiert letztendlich das ganze Team. Was ich dafür bislang nie beobachtet habe: Verlorene Seelen, die ratlos vor dem Kunden stehen und durch ihr geringes Dienstausmaß in der Apotheke das Arbeiten verlernt haben. Freilich ist manchmal eine kurze Orientierungsphase notwendig, wenn man nach einer Wochen Abwesenheit (oder auch mal länger) in die Offizin zurückkommt, aber am Ende ist die Arbeit an der Tara wie Radfahren: Wer das einmal verinnerlicht hat, der verlernt es auch nicht mehr.

TARA24-Redakteurin Astrid Janovsky arbeitet seit 2016 in einer Apotheke im süddeutschen Baden-Württemberg und pendelt seither beruflich in zwei bisweilen recht unterschiedlichen Arbeitswelten. Denn das deutsche Apothekenwesen ist in vielen Punkten erstaunlich anders als das österreichische. In ihrer Kolumne „Deutschlandreport“ gewährt sie Einblicke in lokale Marotten und bundesweite Gepflogenheiten.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!