Apotheken seien schnell und weitblickend, politische Gremien langsam und träge. Präsidentin Mursch-Edlmayr gibt in ihrer Eröffnungsrede beim APOkongress in Schladming Einblicke in die Lobby-Arbeit der Kammer während der Regierungsbildung und spricht von fehlendem Mut und hoffnungsvollen Momenten.
In ihrer Eröffnungsrede nahm die Apothekerkammerpräsidentin Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr zur aktuellen politischen Lage Stellung. Dabei zog sie Parallelen zum Kongressthema „Rheumathoide Arthritis – eine Krankheit mit vielen Gesichtern.“ „Unsere Schmerzen und Leiden mit dem österreichischen Gesundheitssystem, mit den Verantwortlichen im System, spannen sich über die Indikationsgebiete Rheumathoide Arthritis, über das Kinderrheuma bis hin zum akuten Gichtanfall“, zeigte die Präsidentin Galgenhumor. Manchmal könne man in diesen komplexen Zeiten schreien vor Schmerzen. „Auch ich könnte schreien und manchmal werde ich auch laut zwischendurch, denn manches ist nicht zu ertragen.“
Faktencheck: Positive Veränderungen nach Gesetzesnovelle
Mursch-Edlmayr brachte den „evidenzbasierten Faktencheck“: Beim letzten Kongress in Schladming vor etwa einem Jahr war man kurz vor der Ziellinie der Umsetzung der Apothekengesetzesnovelle gewesen. Seither hätte man viele sehr erfolgreiche Testmaßnahmen in den Bundesländern durchgeführt. Viele Apotheken würden die neuen Möglichkeiten nutzen und die Nachfrage gäbe den Bemühungen recht.
Nicht ganz so erfreulich zeigte sich die Präsidentin über die Entwicklung der Regierungspläne. Fast ein Jahr „Vakuum in politischen Entscheidungen“ hätte man bewältigen müssen, nun gäbe es endlich Ansprechpartner. „Wir fangen jetzt wieder von vorne an, zu arbeiten“ berichtete Mursch-Edlmayr. „Bei den Regierungsverhandlungen sind wir mit Programmen gerannt, die wir schon lange ausgearbeitet hatten“, gibt sie Einblicke in die Anstrengungen der Kammer. Gemeinsam mit Expert:innen aus Gremien und Ländern habe man Maßnahmen vor allem in den Bereichen der Prävention, der Patientenstromlenkung und der Compliance entwickelt.
Verhandlungsstand war der Kammer bekannt
Den langen Verhandlungsprozess der Parteien hätte man in der Kammer genau verfolgt. „Wir waren in der glücklichen Situation, die Papiere mitlesen zu können und überall zumindest am Rande eingebunden gewesen zu sein“, sagt Mursch-Edlmayr und berichtet von „mutigen Programmen“, die viele Ideen der Apothekerschaft beinhaltet hätten. „Dass das jetzt im finalen Programm nicht mehr steht, hat auch zu einem Gichtanfall bei mir geführt – aber was nutzt es“, ist die Präsidentin enttäuscht.
„Es hat ihnen einfach der Mut gefehlt“, konstatiert die erste Apothekerin des Landes. Große strukturelle Änderungen wären noch nicht berücksichtigt worden. Dabei betont sie das „noch“. Denn nur, weil Dinge nicht im Programm stünden, hieße das nicht, dass sie nicht von der Regierung umgesetzt werden würden. Dasselbe gelte allerdings auch im Umkehrschluss. Es gäbe ermutigende Zeichen wie etwa ein Interview mit dem ÖGK-Vorsitzenden McDonald, dass die Apotheken mit ihrem Potential sehr wohl wahrgenommen werden.
Geduld gefragt
Die Apotheken seien schnell und die Überlegungen weitreichend – das System wäre aber träge, langsam und nicht von Mut geprägt. Mursch-Edlmayr gibt sich dennoch zuversichtlich, dass die Entscheidungsträger erkennen würden, welche wichtige Funktion zukünftig den Apotheken zukommen kann, „aber es wird noch ein bisschen dauern.“