APOkongress: Erst Immunisierung, dann Immunsuppressiva


Redaktion

Vor beginn der Rheumatherapie soll der Impfpass gecheckt werden.AdobeStock_79790308/Alexander Raths

Personen mit rheumatoider Arthritis, die neu mit einer immunsuppressiven Therapie beginnen, sollten zuvor empfohlene Impfungen nachholen. Wichtig sind vor allem die Immunisierungen gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) sowie Feuchtblattern. Ein späteres Nachimpfen bedeutet eine Unterbrechung der Rheuma-Therapie, was vermieden werden sollte.

Nachdem bestimmte Behandlungen stark ins Immunsystem eingreifen, bedeutet das, “dass das Infektionsrisiko für verschiedene Erkrankungen automatisch steigt”, sagte Wiedermann-Schmidt am Abschlusstag des Kongresses in Schladming. “Würden sich alle Menschen nach den Empfehlungen des nationalen Impfplans impfen, dann hätten wir kein Problem.” Das sei jedoch nicht der Fall.

Impfen als Teil des Therapie-Konzepts

Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis müssen mit Impfungen versorgt werden, “am besten so früh wie möglich, damit man das Infektionsrisiko einschränken kann”, hielt Wiedermann-Schmidt fest. “Impfen gehört zum gesamten Therapiekonzept und zwar frühzeitig.” Die Betroffenen sollten beispielsweise mit dem Arztbrief und dem Therapievorschlag zum Impfen kommen. Dann können Titer-Kontrollen gemacht werden, falls der Impfstatus nicht bekannt ist, besonders zu MMR und Feuchtblattern.

“Totimpfungen sollten zwei Wochen vor Therapiebeginn abgeschlossen sein, bei Lebendimpfungen sollte das vier Wochen vor Therapiebeginn der Fall sein”, erläuterte die Universitätsprofessorin. Allerdings gelten je nach Grad der Immunsuppression unterschiedliche Empfehlungen für die Verabreichung von Impfstoffen.

Methotrexat reduziert Impfwirkung

Unter einer stark immunsuppressiven Therapie sprechen Impfungen schlechter an. Bei Methotrexat, das häufig gegen rheumatoide Arthritis eingesetzt wird, ist die Immunantwort beispielsweise bei den Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken, Tetanus und Covid nicht gut, berichtete Wiedermann-Schmidt. Bei bestimmten Rheuma-Therapien sowie Impfungen ist das Impfansprechen laut Studien bei Über-60-Jährigen noch schlechter als bei Jüngeren.

Auch Patienten mit rheumatoider Arthritis sollten sich regelmäßig nach den Empfehlungen des nationalen Impfplans impfen lassen, sagte die Medizinerin. Wichtig sei, die Vorgangsweise mit dem Arzt zu besprechen, ob eine etwaige Therapiepause gewagt werden kann und ob beispielsweise ein gewünschter Urlaub mit einer nötigen Reiseimpfung wie gegen Gelbfieber notwendig ist. Auch Kontaktpersonen rund um den Patienten wie Haushaltsmitglieder sollten entsprechend den Empfehlungen des Impfplans immunisiert sein, betonte Wiedermann-Schmidt.

APA



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