Man könnte wahlweise auch sagen: „Von Wagner bis Wegovy“, wobei das nur der halben Wahrheit entsprechen würde, denn die beliebte Schulungsreferentin hat sich vor allem dem Thema Diabetes verschrieben – und zwar aus einem Grund, von dem Sie sehr lange selbst nicht ahnte, dass er einmal ihr Leben und noch mehr ihre Karriere verändern wird.
Sie ist DER Shootingstar der österreichischen Apotheken-Schulungs-Szene – und verfügt über die vermutlich bekannteste Tapete des Landes. Die darf nämlich als dekorativer Hintergrund bei ihren Webinaren den passenden Rahmen liefern. Ein anderer Hintergrund hat aber mehr Einfluss auf die Referentenkarriere, nämlich Auer-Kletzmayrs Typ-1-Diabetes-Erkrankung. Wie das Leben so spielt, verhalf der Zufall der Apothekerin zum Start in ihre Vortragstätigkeit. Im April 2019, exakt zum 16. Jahrestag ihrer eigenen Diagnose, stand sie erstmals mit ihrem „Paradethema“ Diabetes mellitus vor einem Auditorium. Man könnte sagen: Der Rest ist Geschichte.
Im gesamten DACH-Raum im Einsatz
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Mittlerweile geht der gute Ruf der fesselnden Vortragenden über die Landesgrenzen hinaus. „Zum ersten Mal ist heuer mein Kalender bereits zum Jahresanfang voll belegt.“ berichtet die Referentin. 18 Termine sind für 2025 eingeplant. „Nur im November und Dezember ist noch ein bisserl Luft.“ Bei den vielen Anfragen freut sich die Pharmazeutin über einige besonders: „Höhepunkte sind für mich ein Vortrag für die Deutschen Apotheker:innen beim pharmacon-Kongress in Meran und mein Einsatz bei den Seggauer Fortbildungstagen.“
(Bild: Auer-Kletzmayr in ihrem bekannten “Webinar-Studio”)
Auer-Kletzmayrs Paradethema trat verhältnismäßig spät und mit einem großen Knall in ihr Leben: „Das war nicht lustig“, erinnert sie sich. „Es war Freitag Nachmittag – wann sonst treten Katastrophen auf?“ Starkes Durstgefühl und häufiger Harndrang ließen die damals schon fertige Pharmazeutin einen Glucose-Harntest machen. „Der war tiefgrün.“ Die folgende Messung zeigte dann einen Blutzuckerwert von 576. „Meine Tochter war zu dem Zeitpunkt gerade elf Monate alt. Als ich dann nach mehreren Untersuchungen die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten habe, war ich erleichtert. Ich wusste, damit kann ich umgehen.“
Pharmazie statt Archäologie
Den Blutglucosespiegel hat sie trotz ihres umtriebigen und sportlichen Lebens am, im und rund um den Wörthersee gut im Griff. „Bei 60 Prozent aller Betroffenen manifestiert sich Typ-1-Diabetes erst im Erwachsenenalter“ weiß die Expertin heute.
(Bild: Die Chefin Chefin Mag. Abuja (re.)unterstützt die Diabetes-Expertin. Ihr Motto: “Arbeiten darf auch Spaß machen”)
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Dem großen Themenkomplex der Pharmazie ist sie bereits von klein auf verbunden, entstammt sie doch einer bekannten Klagenfurter Apothekerfamilie. Allerdings ist sie die einzige der drei „Drittgenerationler“, die nicht in die Selbstständigkeit gegangen ist. „Ich wollte mich einfach ausschließlich mit Dingen beschäftigen, die mir Freude machen und die ich gelernt habe. Als Selbstständiger hast du diese Freiheit nicht. Da musst du dich mit allem auseinandersetzen.“
Dabei hatte kurzfristig sogar das Pharmaziestudium gewackelt. „Mit 16 wollte ich Archäologin werden“ erinnert sich Auer-Kletzmayr lachend. „Dann habe ich einen alten Archäologen getroffen und der meinte, dass das ja eine sehr schöne Idee wäre, ich dann aber unbedingt Lehramt dazu studieren soll. Da dachte ich mir, dann kann ich auch gleich Pharmazie machen.“
Spielplan bestimmt Dienstplan
Einer anderen Leidenschaft, die in der Jugend begann, hat sie bis heute die Treue gehalten: Der Liebe zu Wagner-Opern. „Die habe ich von meinem Vater ins Herz gelegt bekommen“ erzählt die Musikkennerin, die, wenn Wagner in Klagenfurt am Spielplan steht, auch zehnmal im selben Stück sitzt. „Ich fürchte, ich habe das an zumindest eine meiner drei Töchter weitervererbt.“ Die jährliche Kultur-Wallfahrt zum Mekka aller Wagnerianer nach Bayreuth ist sakrosankt. Der Dienst- und Vortragsplan wird zumindest mit dem Spielplan des Stadttheaters Klagenfurt abgeglichen. „Meine Kolleginnen wissen, wann der neue Spielplan erscheint“, lacht die Apothekerin, die jede Woche von Donnerstag bis Samstag in der Apotheke steht, um Montag bis Mittwoch Zeit für „die anderen Beschäftigungen“ zu haben, „Und die Kolleginnen sind wirklich total lieb und unterstützen mich.“
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Die Liebe zu Wagner hatte sich sogar in der Diplomarbeit niedergeschlagen. Das Thema wurde von der angehenden Pharmazeutin nämlich so gewählt, dass als passende Forschungsstelle nur die Uni Bayreuth in Frage gekommen war. Leider startete sie dort im September. „Ich kam gerade zu der Zeit, als alle Lokale wieder zusperrten.“ Es war trotzdem eine schöne Zeit und heute ist der jährliche Besuch am Grünen Hügel für sie „ein bisschen wie Heimkommen“. Es muss aber nicht immer die schwere Musik sein. „Wir hatten letztes Jahr einen Betriebsausflug zur Starnacht am Wörthersee und das war wirklich lustig“, erinnert sich Auer-Kletzmayr. Nur bei Helene Fischer würde sie dezent den Rückzug antreten.
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Ihr jüngstes „Baby“ ist die Fortbildung zum Thema „Patienten unter oraler Tumortherapie“, die sie für die Österreichische Apothekerkammer erarbeitet hat. „Ich hatte echt Spundus vor dem Thema“, gesteht sie nachträglich. Die große Nachfrage und positiven Rückmeldungen zeigen der Referentin, dass sie damit einen Nerv getroffen hat.
(Bild: Für das Kammer-Projekt “Erstanlaufstelle Apotheke” tourt sie durch ganz Österreich. Hier in der Steiermark mit Lands-Vizepräsidentin Dr. Alexandra Mandl)
Aber nicht nur eigene Projekte fordern ihre Aufmerksamkeit. Für die Schweizer Kolleginnen und Kollegen übernimmt sie die fachliche Beurteilung von eingereichten Fortbildungen und selbst sitzt sie auch „in der Regel ein bis zwei Mal pro Woche“ in einer Präsenzveranstaltung oder lauscht einem Webinar. „Und zwar nicht erst seit der Fortbildungspflicht“, ergänzt die Apothekerin lachend. Einziger legitimer Grund, eine Fortbildung ausfallen zu lassen? Natürlich: Eine Restkarte für eine Wagner-Oper im Stadttheater Klagenfurt.